Fragen und Antworten

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Arbeitsweise des ITA

Welche Vorteile hat die enge Zusammenarbeit mit dem Handel?

Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) legt fest, welche Produkte in sein Sortiment aufgenommen werden. Die Konsumentscheidung auf Verbraucherseite richtet sich nach dem verfügbaren Angebot.

Allerdings spielen Produktqualität und vorhandene Zertifikate nicht immer die entscheidende Rolle bei der Kaufentscheidung. Oft ist es der Preis. Entscheiden sich Unternehmen des LEH dafür, ausschließlich zertifizierte Produkte in einer Produktgruppe anzubieten, lassen sich bessere Standards am Markt leichter umsetzen.

Sobald die Tierschutzempfehlungen des ITA in den marktüblichen Zertifikaten für Lebensmittel aus Aquakultur abgebildet worden sind, kann der LEH sein Sortiment entsprechend anpassen. Voraussetzung dafür ist, dass genügend Erzeugerbetriebe den Empfehlungen folgen. Die Arbeit des ITA will diesen Prozess beschleunigen.

Empfehlungen allgemein

Wieso sind die Empfehlungen des ITA nicht artspezifisch, wenn die Anforderungen verschiedener Fischarten so unterschiedlich sind?

In einem ersten Schritt hat der ITA die für den Tierschutz von Wasserlebewesen wichtigsten Bereiche herausgearbeitet und allgemeine Empfehlungen daraus abgeleitet. Diese gelten generell für jeden Betrieb und jede kultivierte Tierart. Sie international umzusetzen stellt für sich schon einen entscheidenden Fortschritt für den Tierschutz in der Aquakultur dar.

Bei der nun anstehenden Umsetzung der allgemeinen Empfehlungen in betriebstaugliche Fortbildungsangebote ist es erforderlich, artspezifische Besonderheiten zu berücksichtigen. So ist eine perkussive Betäubung (Kopfschlag) nur für bestimmte Fischarten tierschutzgerecht, für andere hingegen weniger. Der ITA arbeitet mit Forschungseinrichtungen und Technologieanbietern zusammen, um neue wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Neuerungen in seine Empfehlungen einfließen zu lassen.

Wieso spricht der ITA keine konkreten Empfehlungen zur Besatzdichte aus?

Die Höhe der Besatzdichte muss immer an der Fischart und dem Alter der aufgezogenen Fische ausgerichtet sein. Was für die eine Art förderlich erscheint, kann für eine andere fatale Auswirkungen haben, und junge Fische schließen sich oft zu Schwärmen zusammen, während ältere Artgenossen ein Revier für sich beanspruchen wollen.

Zu hohe Besatzdichten in einer Aquakultur können zu Gedränge, Stress und Verletzungen führen, während zu niedrige Besatzdichten bei einigen Arten territoriales Verhalten auslösen können. Beides gilt es zu vermeiden. Des Weiteren muss bei der Wahl der Besatzdichte auf die verfügbare Wasserzufuhr und den Wasseraustausch sowie die Wasserqualität geachtet werden. Je mehr Tiere in einem Wasserkörper – Teich, Becken – leben, desto schneller kann sich darin die Wasserqualität verschlechtern.

Letztlich ist die Höhe einer Besatzdichte, die in einem Betrieb nicht zu tierschutzwidrigen Verhältnissen führt, auch von der Qualität der Betriebsführung abhängig. Eine Fischzucht mit optimal ausgebildetem Personal, das schädliche Veränderungen rechtzeitig erkennt und ihnen erfolgreich entgegen wirkt, kann problemlos mit höheren Besatzdichten arbeiten als ein schlecht geführter Betrieb.

Wieso spricht der ITA von Tierschutz, nicht von Tierwohl?

In den Empfehlungen des ITA wird durchgängig das Wort „Tierschutz“ verwendet. Die Übersetzung des englischen Begriffs „animal welfare“ mit dem deutschen Wort „Tierwohl“ ist irreführend.

Der Begriff „Tierwohl“ vermag den falschen Eindruck zu erwecken, es ginge lediglich darum, die Bedingungen in der Tierhaltung „wohltuender“ zu gestalten. Das aber widerspricht der Alltagserfahrung einer Tierhaltung zu ökonomischen Zwecken.

Die Empfehlungen des ITA sind Minimalziele zum Schutz vor vermeidbaren Schmerzen, Leiden und Schäden, wie er im Wortsinn im deutschen Tierschutzgesetz gefordert ist. Um ein „Wohlbefinden“ kultivierter Wasserlebewesen sicherzustellen, wären aus wissenschaftlicher Sicht womöglich weiterreichende Maßnahmen erforderlich.

Fütterung

Was bedeutet verantwortungsvolle Fütterung von Fischen in Aquakultur?

Eine verantwortungsvolle Fütterung von Fischen bedeutet, dass qualitativ hochwertiges Futter fischart- und altersgerecht ist, in angepassten Mengen und in für die Fische angepasster Weise verfüttert wird. Es gibt Futtermittel, die an der Oberfläche schwimmen oder zu Boden sinken und somit für das jeweilige Verhalten der Fische abgestimmt werden können. Eine großflächige Fütterung sorgt dafür, dass alle Fische Zugang zum Futter erhalten, weniger Konkurrenzverhalten und Auseinanderwachsen des Fischbestandes entsteht und Schäden am Fisch vermieden werden.

Wieso kann bei einigen Wassertieren auf Fischmehl bei der Ernährung nicht vollständig verzichtet werden?

Artgemäße Futtermittel in der Aquakultur einzusetzen ist tierschutzgerecht, kann aber im Konflikt mit dem Bemühen um nachhaltige Futtermittel stehen.

Während sich manche kultivierten Fischarten für eine rein vegetarische Aufzucht eignen, benötigen andere Arten für ihre Gesundheit, Wachstum und Wohlergehen in Fischmehl enthaltene essentielle Nährstoffe. Fischarten wie Lachs oder Forelle lassen sich ohne diese Nährstoffe nicht tierschutzgerecht aufziehen.

Es wird aktuell intensiv daran geforscht, Fischmehl und Fischöl im Futter immer weiter zu substituieren, ohne tierschutzrelevante Probleme nach sich zu ziehen. Ziel ist es, passende tierwohlverträgliche Alternativen zu finden, die auch ein entsprechendes Wachstum gewährleisten. So wird beispielsweise versucht, über die Zufütterung bestimmter Algen die erforderlichen essentiellen Nährstoffe bereitzustellen.

Wieso gibt der ITA keine Empfehlungen zur Futtermenge?

Die zu verabreichende Futtermenge ist Fischart- und altersspezifisch. Die meisten Futtermittelhersteller geben fundierte Empfehlungen zur Dosierung ihrer Futtermittel.

Wichtig ist hierbei zu beachten, dass sich die Wasserqualität nicht durch übermäßige Fütterung verschlechtern darf. Das Futter muss von den Fischen gut aufgenommen und verwertet werden. Bei einigen Fischarten ist auch auf eine temperaturabhängige Fütterung zu achten. Ist das Wasser zu kalt oder zu warm, leidet der Appetit.

Produktqualität

Welchen Effekt haben die Tierschutzempfehlungen des ITA auf die Lebensmittelqualität?

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass das Fleisch von gestressten Fischen eine schlechtere Produktqualität aufweist, als das Fleisch von Fischen, die keinen Stressoren ausgesetzt waren. Starker oder sich wiederholender Stress kann unter anderem zu einer veränderten Farbe, Gewebswasseraustritt und Strukturveränderungen im Filet, sowie zu Gewichtsverlust beim Gefrieren und Räuchern führen.

Durch die Umsetzung der Tierschutzmaßnahmen aus den Empfehlungen des ITA kann Stress bestmöglich reduziert werden. Das verbessert die Lebensmittelqualität.

Quelle: Wedekind, H. (2004) Lebensmittelqualität beim Fisch – Konsequenzen für die Hälterung und Aufbewahrung. Seminar »Tierschutz in der Fischerei«, Heft 2, Schriftenreihe des Landesfischereiverbandes Baden-Württemberg e.V.

Schmerz

Empfinden Fische Schmerz?

Wissenschaftlichen Studien zufolge verfügen Fische über Schmerzrezeptoren und eine Weiterleitung der Reize ins Gehirn. 

Im Gehirn von Fischen werden bei einem potentiellen Schmerzreiz Areale aktiviert, die für die Wahrnehmung des Fisches höchstwahrscheinlich die gleiche Aufgabe übernehmen, wie bei höher entwickelten Wirbeltieren die Areale der bewussten Schmerzwahrnehmung. Zudem deuten Verhaltensweisen und Entscheidungen von Fischen – beispielsweise das erlernte Vermeiden mit Verletzungen verbundener Situationen – auf eine bewusste Wahrnehmung von Schmerzen hin (Weirup & Seibel 2020).

Mehr Informationen zum Thema finden Sie hier: https://www.aquakulturinfo.de/schmerzempfindung-bei-fischen

Transport

Wieso ist die Anpassung der Fische beim Wechsel vom Transportwasser zum Kulturwasser so wichtig?

Kultur- und Transportwasser sollten stets eine ähnlich gute Wasserqualität aufweisen. Bestehen zwischen Transport- und Kulturwasser zu große Differenzen in der Wasserqualität, beispielsweise in Temperatur, Sauerstoffsättigung und dem Gehalt an Ausscheidungsprodukten, ist eine langsame Anpassung notwendig, um Stressreaktionen der Tiere zu vermeiden.

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